«Vielfalt statt Monokulturen»

Interview mit Claudia Vaderna

· Jahresbericht 2024

Das Gentech-Moratorium läuft Ende 2025 aus. Im Interview erklärt Claudia Vaderna von der Schweizer Allianz Gentechfrei, wie die Lebensmittelschutz-Initiative die Leitplanken setzen will, damit die Landwirtschaft auch in Zukunft selbstbestimmt und nachhaltig produzieren kann.

Seit Kurzem sorgt die Gentechnik in der Schweiz wieder für Schlagzeilen. Was passiert gerade?

Das Parlament berät demnächst über eine Verlängerung des Gentech-Moratoriums – dies unter massivem Druck der Agrarindustrie. Sie wollen die Schutzmassnahmen aufweichen und lobbyieren im Bundeshaus für ein neues Gesetz.

Was befürchten Sie?

Ohne strenge Regelung droht eine schleichende Einführung von Gentechnik in der Landwirtschaft. Deshalb wollen wir mit der Lebensmittelschutz-Initiative die Wahlfreiheit in der Verfassung verankern – mit einer konsequenten Kennzeichnungspflicht vom Saatgut bis auf den Teller.

Die Befürworter:innen argumentieren, die neue Gentechnik sei viel präziser und sicherer als früher...

Auch die neuen genomischen Techniken greifen direkt ins Genom ein und bleiben damit Gentechnik. Die Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt sind noch nicht vollständig abschätzbar. Selbst kleine Eingriffe ins Erbgut können unerwartete Folgen haben.

Könnte die Gentechnik nicht helfen, dass die Landwirtschaft rascher auf die Klimakrise reagieren kann?

Die bisherigen Erfahrungen zeigen ein anderes Bild. Gentechnisch veränderte Pflanzen haben bisher keinen relevanten Beitrag zur Klimaanpassung geleistet. Im Gegenteil: Viele dieser Sorten brauchen sogar mehr Pestizide und Dünger.

Was wäre denn die Alternative?

Eine vielfältige, widerstandsfähige Landwirtschaft! Wir brauchen verschiedene, lokal angepasste Sorten – keine Monokulturen aus dem Labor. Die Lebensmittelschutz-Initiative unterstützt gezielt die Forschung und Züchtung für eine gentechnikfreie Produktion.

Kritikerinnen und Kritiker warnen, der Forschungsstandort Schweiz sei gefährdet...

Das stimmt nicht! Die Initiative verhindert keine Forschung. Sie verlangt nur eine sorgfältige Risikoprüfung vor der kommerziellen Nutzung. Gleichzeitig stärken wir die Forschung für gentechnikfreie Alternativen.

Ist Landwirtschaft mit Gentechnik in der Schweiz überhaupt denkbar?

Der Pollenflug bleibt ein Risikofaktor. Stellen Sie sich vor: Eine Biobäuerin möchte gentechnikfrei produzieren, aber auf dem Nachbarfeld werden gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Wir brauchen in der kleinräumigen Schweiz darum sehr strenge Regeln und klare Haftungsbestimmungen.

Einreichung der Petition «Gentech-Moratorium» verlängern in Bern

Die Lebensmittelschutz-Initiative

Die eidgenössische Volksinitiative «für gentechnikfreie Lebensmittel» (Lebensmittelschutz-Initiative) fordert, dass das Gentech-Moratorium so lange bestehen bleibt, bis strikte Regeln Mensch, Tier und Umwelt vor Risiken schützen.

Hinter der Lebensmittelschutz-Initiative steht eine breite, zivilgesellschaftliche Allianz. Sie kommt zum richtigen Zeitpunkt: Die Initiative setzt ein klares Zeichen gegen die drohende Deregulierung der Gentechnik.

Die wichtigsten Forderungen:

  • Bewilligungsverfahren mit Risikoprüfung für gentechnisch veränderte Organismen
  • Konsequente Kennzeichnungspflicht vom Saatgut bis auf den Teller
  • Schutz der gentechnikfreien Produktion durch strenge Koexistenz- und Haftungsregeln
  • Unterstützung der Forschung für gentechnikfreie Alternativen
  • Keine Patentansprüche auf Pflanzen und Tiere aus gentechnikfreier Züchtung

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