«Die Spielregeln von der Seitenlinie her ändern»

Porträt Stiftungsrat Daniel Graf

· Jahresbericht 2025

Daniel Graf ist Gründer von WeCollect und Stiftungsrat der Stiftung für direkte Demokratie. Als Campaigner sieht er sich als politischer Aktivist, der die Spielregeln der Demokratie von der Seitenlinie her ändern will.

Er sei mittlerweile ein Crowd-Lobbyist im Bundeshaus, sagt Daniel Graf und beschreibt damit sein Bestreben, Menschen und Netzwerke zu organisieren, die sich hinter ein politisches Anliegen stellen. Dies oft ohne langfristigen, vorab festgelegten Plan. «Konzeptpapiere und anderes Material gibt es bei mir kaum», so der studierte Historiker. Seine Ideen für politische Aktionen entstehen aus dem Moment und entwickeln sich mit dem Machen.

Ein typisches Beispiel für den Polit-Stil des 52-Jährigen ist die erfolgreiche Kampagne gegen die Einführung der e-ID im Jahr 2021. Die geplante Privatisierung zugunsten von Konzernen sei ihm damals negativ aufgefallen, sagt er. Dies veranlasste ihn, spontan eine Gegenstrategie zu formulieren, was in einer breit abgestützten Bürger:innenbewegung resultierte, die schliesslich die e-ID zu Fall brachte und den Weg frei machte für eine staatliche Lösung.

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Die unbefangene Herangehensweise des zweifachen Vaters hat ihre Ursprünge in seiner Jugend. Bereits in der frühen Mittelschulzeit faszinierten ihn die Möglichkeiten der damals aufkommenden Heimcomputer und später die Anfänge des Internets und von Social Media. Ihre Anwendung eignet er sich spielerisch an, umfassende Detailkenntnis interessiert ihn nach wie vor weniger. «Ich war anfangs ein Aussenseiter. Mit der Digitalisierung wurde für Nerds wie mich plötzlich fast alles möglich.»

Gamechanger lautet nicht nur der Name, sondern auch das Programm der Campaigning-Agentur, die er nach Tätigkeiten als Parteisekretär der Grünen der Stadt Zürich und als Sprecher von Amnesty International Schweiz ins Leben ruft. Denn als Nicht-Politiker interessieren ihn nicht so sehr die Wege in das Zentrum der Macht, sondern vielmehr die Spielregeln der politischen Beteiligung − der direkten Demokratie der Schweiz.

Das Bedürfnis, die Spielregeln zu ändern, ist gemäss Politprofi Graf zudem nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass viele Regeln des Politbetriebs für zivilgesellschaftliche Netzwerke zum Nachteil ausfallen. Denn etablierte Organisationen, Verbände und Parteien verfügen in der Regel über mehr Geld und Einfluss – und damit schon von Beginn weg über einen längeren Atem. «Der Versuch, die Spielregeln zu ändern, ist oft die einzige Chance, um gesellschaftliche Veränderung möglich zu machen.»

Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist die Plattform WeCollect, die nicht nur die direktdemokratischen Spielregeln beeinflusst hat. Vielmehr beweist es, dass auch einem Demokratie-Aktivisten wie Graf mit Gespür für die richtigen Themen, Durchsetzungskraft und sehr viel Energie die politische Einflussnahme von der Seitenlinie her gelingen kann.

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