e-ID: Sicher starten statt weiter warten

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Wegen Sicherheitsrisiken bei der Online-Ausstellung hat der Bund die e-ID auf unbestimmte Zeit verschoben. Deshalb luden Bundesrat Beat Jans und Bundeskanzler Viktor Rossi zum Beiratstreffen Digitale Schweiz. Für die Stiftung für direkte Demokratie habe ich dort zwei Vorschläge eingebracht: Die e-ID soll rasch und kostenlos im Passbüro ausgestellt werden. Gleichzeitig soll der Bund prüfen, ob eine vereinfachte «e-ID to go» online starten kann – etwa für Altersnachweise oder Bot-Verifikationen.

Daniel Graf, Stiftung für direkte Demokratie

Am 3. September 2026 war ich auf Einladung von Bundesrat Beat Jans und Bundeskanzler Viktor Rossi am Beiratstreffen Digitale Schweiz. Im Zentrum standen Fragen zur Einführung der staatlichen e-ID, nachdem das Bundesamt für Justiz vor den Sommerferien deren Verzögerung auf unbestimmte Zeit angekündigt hatte. Grund dafür waren neue Sicherheitsrisiken, insbesondere durch KI-generierte Deepfakes, die den geplanten Online-Ausstellungsprozess infrage stellten.

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Am runden Tisch im Bernerhof begann ich meinen kurzen Input mit einer Alltagserfahrung. Ich erzählte von meinem 13-jährigen Sohn, der seit Kurzem in einem Basler Fussballclub spielt. Für seine Spiellizenz hatte ich dem Club eine Fotokopie seiner ID per Mail schicken müssen.

Ich hatte kurz gezögert. Denn eigentlich weiss ich: Eine ID-Kopie per Mail zu verschicken, ist heute keine gute Idee. Trotzdem hatte ich es gemacht, weil alles andere kompliziert gewesen wäre.

Genau solche Situationen zeigen, warum wir die staatliche e-ID brauchen – und zwar jetzt! Denn Kopien von Schweizer IDs und Pässen liegen heute hunderttausendfach auf Servern, in Mailboxen und Datenbanken. Mit jeder weiteren Kopie steigt das Risiko von Missbrauch und Identitätsdiebstahl.

Mit der e-ID haben wir erstmals eine gute Antwort darauf: Ich muss nicht mehr meine ganze ID verschicken, wenn eigentlich nur einzelne Angaben benötigt werden.

Ausstellung im Passbüro skalieren

Als Stiftung für direkte Demokratie haben wir im Juli – nach der angekündigten Verzögerung der e-ID – gefordert, die persönliche Ausstellung im Passbüro nicht auf Eis zu legen.

Sicherheit hat Vorrang. Ein problematischer Online-Ausstellungsprozess darf aber nicht dazu führen, dass die Einführung der gesamten e-ID unnötig verzögert wird. Zumal wir mit der Digitalen Gesellschaft, mit der wir auch erfolgreich die beiden e-ID-Abstimmungskämpfe bestritten haben, stets vor den Risiken beim Online-Ausstellungsprozess gewarnt haben.

Sobald die persönliche Ausstellung vor Ort technisch möglich ist, sollte sie angeboten werden und dies gleichzeitig mit dem Start der Vertrauensinfrastruktur. Bis eine sichere, kostenlose und barrierefreie Online-IDentifikation verfügbar ist, sollen Bund und Kantone zudem die Offline-Gebühr von 29 Franken im Passbüro übernehmen.

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Statt die Online-Ausstellung weiter zu verschieben, muss der Bund umgehend neue Konzepte entwickeln. Konkret sollte er prüfen, ob ein vereinfachter digitaler Ausstellungsprozess für eine e-ID mit reduziertem Funktionsumfang möglich ist, wie dies bereits Nationalrat Gerhard Andrey vorgeschlagen hat. Ein Baustein dafür ist das Auslesen des NFC-Chips eines biometrischen Passes oder der neuen biometrischen ID.

Eine solche «e-ID to go» könnte rasch erste Anwendungen ermöglichen – etwa Altersnachweise oder die Bestätigung, dass hinter einem Account eine identifizierte Person und kein Bot steht. Einsatzmöglichkeiten gäbe es bei App-Stores, Gaming-Plattformen, Online-Konten, altersbeschränkten Produkten und im digitalen Jugendschutz.

Altersnachweis ohne Datenspur

Gerade für solche Anwendungen hat die neue e-ID einen entscheidenden Vorteil: Unverknüpfbarkeit (Unlinkability). Wenn ich nur nachweise, dass ich über 18 bin, muss ich weder Namen noch Geburtsdatum offenlegen. Und ein Webshop soll nicht erkennen können, dass ich denselben Nachweis zuvor schon anderswo erbracht habe.

Dafür setzt die e-ID auf sogenanntes «Batch Issuance»: Als Nutzer erhalte ich mehrere gleichwertige Altersnachweise, die jeweils nur einmal verwendet werden. So kann ich in einem Webshop nachweisen, was nötig ist, ohne eine immer gleiche digitale Spur zu hinterlassen. Genau das macht die e-ID sicherer und datensparsamer als die heutige Ausweiskopie.

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Die e-ID rasch im Alltag verankern

Beim Beiratstreffen gab es unterschiedliche Perspektiven, aber eine klare gemeinsame Rückmeldung: Die e-ID muss möglichst rasch im Alltag ankommen.

Vielleicht erinnern sich einige an eines der stärksten Bilder aus der e-ID-Abstimmungskampagne: Bundesrat Beat Jans zeigte an der Medienkonferenz die swiyu-App, das digitale Portemonnaie für die e-ID, auf seinem Smartphone.

Das Foto vermittelte etwas Wichtiges: Die e-ID ist nicht irgendein IT-Projekt des Bundes. Sie ist etwas, das wir selbst auf dem Smartphone nutzen können.

Genau daran sollten wir anknüpfen. Je schneller Menschen die e-ID im Alltag erleben, desto schneller entstehen sinnvolle Anwendungen. Und desto schneller kommen wir unserem Ziel näher: einer digitalen Schweiz, die einfach, sicher, datensparsam und für alle zugänglich funktioniert.

Fotos Beitratstreffen 03.09.2026 Digitale Schweiz: Schweizerische Bundeskanzlei.